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Nach einer zweijährigen Pause, hauptsächlich wegen gesundheitlicher Gründe, will ich wieder mit unseren tollen Jugendlichen auf Fahrt gehen. Da wir das letzte Mal eine sehr kostspielige und lange Reise in die USA durchführten, wollen wir dieses mal bei einer kürzeren Fahrt in der Nachbarschaft bleiben und unsere Schwestern und Brüder in den Niederlanden besuchen.

Da unsere Fahrten immer unter einem Thema stehen, nehmen wir die momentanen globalpolitischen und globalweltanschaulichen Veränderungen zum Anlass unseren Schwerpunkt auf das respektvolle Miteinander der Menschheit zu legen als deren gestellte Aufgabe.

Dazu gehören der Besuch des Anne-Frank-Hauses und des jüdischen Museums ebenso wie der Besuch der Geheimkirche aus dem 19. Jahrhundert und des Internationalen Gerichtshofes in Den Haag.

Die Geschichte der Menschheit zeigt ein stetiges Bemühen um ein friedliches Miteinander und ebenso aber auch ein stetiges Scheitern.

Es wird zweifelsohne eine Aufgabe bleiben den Frieden und das respektable und wertschätzende Miteinander immer wieder neu zu gestalten, solange es die Menschheit geben wird. Verachtende und pauschalisierende Parolen sind dieser wichtigen Aufgabe niemals dienlich, scheinen sie doch aber nicht wenige in ihren verhängnisvollen Bann zu ziehen.

Durch unsere Fahrt wollen wir uns angesichts dieser Aufgabe neu sensibilisieren, wo wir bereits in den kleinsten Dingen unseres Alltags Frieden und Achtsamkeit meistern können.

Denn Unfriede beginnt nicht erst da, wo die Macht der Herrschenden am größten ist, sondern wo jeder Blick und jede Geste in Familie, Schule und Beruf vor dem Gegenüber Respekt und Achtsamkeit zu verstehen geben und Rücksicht zum Wohle des anderen Lebensraum und Frieden gewährt.

Selbstverständlich wird auch der Spaß und die Freude, die Gemeinschaft und die Zeit zum Ruhen und Spielen nicht fehlen.

Aber auch das Gebet, die Meditation, die Hl. Schrift und das Auseinandersetzen mit philosophischen, theologischen und sozial-politischen Themen, Schriften und Standpunkten wird uns begleiten und auf dieser Fahrt geistig und seelisch fordern und in Einklang stehen mit all dem, was wir besichtigen und vor Ort erleben werden.

Wir werden erkennen, dass die Probleme unserer Gegenwart an sich nichts Neues sind, sondern sich schon in den Reden und Taten Jesu Christi seinerzeit spiegelten. Spricht er doch nicht wenige alltäglichen Probleme an, die in 2000 Jahren nicht anders geworden sind und immer wieder auftauchen. Zugleich findet er sich in einer Gesellschaft, die nicht genau wußte, wo sie hingehörte und welche Identität sie eigentlich haben sollte - auch damals schlugen Parolen hoch und führten zu Krieg, Unglück und Leid.

Das Leben Jesu stellt eine Antwort auf all diese Probleme und Bedrohungen dar. Es ist nur die Frage, ob uns diese Antwort gefällt, denn sie erwartet von uns, dass wir uns deutlich von der Gesellschaft unterscheiden, die uns umgibt, und wir einen Weg gehen, der steiniger nicht sein könnte, aber letztendlich dazu beitragen kann, dass diese Welt wieder ein bisschen menschlicher, friedlicher und geborgener werden kann.

Lassen wir uns überraschen, was uns Jesus auf dieser Fahrt erzählen will, was uns Gott zumuten und in unseren Seelen, Herzen und unserem Verstand auslösen wird.

Gott möge uns auf der Fahrt begleiten und behüten und unter seinen Segen stellen. Er möge uns Kraft geben, um in dieser Welt die Stimme zu erheben für eine gerechte und friedliche Welt, in der alle ihre Daseinsberechtigung haben und sich willkommen fühlen dürfen.

(Josef Metzinger, Pfr.)